„Hesse ist doch der Oberknüller, oder?“.

Interviews

Kai H. (26 J.): „Immer wenn es mir schlecht geht lese ich Siddharta“. Dieses Buch von Hermann Hesse, „das mit seiner kunstvoll einfachen Sprache, mit seinem Lächeln über dem Getümmel der Welt steht“*

Autor Henry Miller sagte, Siddharta sei für ihn eine wirksamere Medizin als das Neue Testament. Das sollte auch für einen Elektroinstallateur mit abgebrochener Ausbildung gelten können. Auf der Suche nach sich selbst, nach dem Besseren hat Kai H. es aber zunächst mit Drogen versucht. Gründlich misslungen.

In einer immergleichen Clique aufgewachsen, mit 20 Jahren Auszug von zu Hause, die Eintönigkeit des Emslandes, orientierungslos nach der Schule, Berufsgrundbildungsjahr Elektrotechnik, Suchtkrankheit, Rückfälle. 2013 Klinik-Entgiftung, Umzug in eine Adaptionseinrichtung, seit Anfang 2014 Clean-WG. „Das Einzige was ich hinbekommen habe ist die Auseinandersetzung mit der Sucht!“

Zum diesem Einzigen wären heute hinzuzufügen seine Tätigkeiten in der Suchtprävention beim Bremer Landesinstitut für Schule, als ehrenamtlicher Helfer bei der Lebenshilfe e.V. Bremen und als Spieler bei der Wilden Bühne. Und sein Ziel Heilerziehungspfleger zu werden.

Bemerkenswert ist an Kai H. seine Lust zu lachen. Über sich selbst, über die bundesrepublikanische Gesellschaft, ihre kapitalistischen Verwerfungen, ihre Symbole. Seine Lieblingsband ist, was Wunder, „Ton, Steine, Scherben“, ihre Musik, ihre sozialphilosophische Hemmungslosigkeit.

Dessen ungeachtet, Kai H. liebt Vogelfedern. Ihre Leichtigkeit, ihre Schwerelosigkeit. Schwerelos inzwischen wohl auch das, was er hinter sich gelassen hat. „Mir kann nichts Schlimmes mehr passieren.“

Mit seiner Freundin erwirbt er sich „gemeinsame Momente“, das Füreinander, das ein gutes Leben ausmacht. Morgen dann wieder, na klar. . H

(Zitatauszug Klappentext „Weg nach Innen“, Suhrkamp 1973)